Auf der Feldmark des Dorfes Ruest dicht an der Straße Mestlin-Sternberg erstreckt sich am Ruester Krug eine sumpfige Niederung. Das ist das Glockenmoor. Hier sollen, nach den Erzählungen älterer Einwohner, die Glocken eines inzwischen wüsten Dorfes versenkt worden sein. Die Bauernwitwe Nehls, auch Schnacknehls oder Trinnehls genannt, erzählte, daß der Vater ihres Großvaters als Knabe die Glocken beim Gänsehüten am Moor über dem Wasser in der Luft hängend gesehen habe. Er erfreute sich am Klang, indem er die Glocken mit dem Peitschenstiel anschlug. Als der Küster im Dorf die Bet-glocke läuten ließ, rief eine Stimme: “Nu is't nog (Nun ist es genug)”. Wäre dann einer von den Gänsehirten so unvorsichtig gewesen, die Glocke noch einmal, wenn auch noch so leise, zu berühren, “plumps, wieren se werrer weg (plumps, waren sie wieder weg)”.
Sie selbst habe die Glocken mehrmals
läuten hören.

Der Hintergrund: Am Südrand des Glockenmoores (auf dem Luftbild oberhalb des brillenförmigen Moores) befindet sich eine aufgegebene Dorfstätte (Dörpstäd). Es soll sich um das frühere Nepersmühlen handeln. Ein Tagelöhner pflügte hier im Jahre 1849 ein zinnernes Gefäß aus, welches über 1000 Silbermünzen, sogenannte Wittenpfennige, enthielt. Der älteste Pfennig stammte von 1325. Ob das untergegangene Dorf eine Kirche besaß, ist unbekannt. Deren Glocken sollen an der tiefsten Stelle des Moores versenkt worden sein, vermutlich, um sie in Kriegszeiten vor dem Zugriff fremder Soldaten zu schützen. Derartige Praktiken werden auch von anderen Dörfern vor allem aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges überliefert. In Wahrheit sind an solchen Stellen nie Glocken gefunden worden. Bestenfalls weist das Vorhandensein einer Glockensage auf eine wüste Dorfstelle hin. Die Glocken der Ruester Kirche sind trotz ihres hohen Alters (die älteste wurde 1389 gegossen und ist damit auch die älteste im Landkreis Parchim) nicht mit jenen von Nepersmühlen gleichzusetzen.