Hin und wieder kam ein Mann aus Gadebusch nach
Alt Damerow, um seine Verwandten zu besuchen.
Dabei fiel ihm auf, daß auf dem Pingelschen Nachbarhof immer so viele Menschen umherliefen. Sie kreischten und lärmten, krochen auf den Heuboden herum und tobten fürchterlich. Das war aber nur, wenn der alte Pingel, der Herr des Hauses, nicht anwesend war. Als der Besucher die Umhertobenden einmal fragen wollte, was das be-deuten soll, sah er, daß sie alle blutrot unterlaufene Augen hatten. Da ließ er lieber seine Fragerei und kehrte still um. Wenn der alte Pingel den Hof betrat, hörte mit einem Schlag das Gewimmel auf, als wäre alles nur ein Spuk gewesen.

Der Hintergrund: Der Pingelhof ist seit 1989 Museum. Ab 1665 war dieser Hof nachweislich von der Familie Pingel bewohnt. Er ist der älteste erhaltene Bauernhof Mecklenburgs. Über der Grot Döör (Großes Tor) trägt ein Balken die Inschrift: ANNO 1607 den 11. Majus. Fast selbstverständlich ist, daß zu einem derart ehr-würdigen alten Haus eine Sage gehört. Sie erinnert an Grot Johann, einem der zahlreichen Hofbesitzer. Er war über zwei Meter groß, besaß die Schuhgröße 52 und war außerdem bärenstark. Die Damerower sahen in ihm einen “Späukenkieker”. Solch einer besaß das 7. Buch Moses und damit die Fähigkeiten, in die Zukunft zu sehen und Unglück zu verhüten zum Wohle der Dorfgemeinschaft. Die Menschen mit den roten Augen, Hexen hatten auch welche, sind dem 7. Buch Moses während der Abwesenheit des Hausherrn entsprungen und werden von ihm als kundigen Späukenkieker wieder hineingelesen.