Die Leute sagen: ”Dat is 'ne versteinerte Brutkutsch.
Dat sünd Lüd ut Kiekindemark west. De sünd in Slat
west bi'n Pastor. Dat hett woll wat langen duert und denn wir't noch an Fridag. Dor sünd se irst nach Midder-nacht dörch't Holt führt. Se sünd von den Weg afkamen und mit eins wir de Düwel dor und de hett se denn halt. De Kutsch is to Stein wurden, de Pird und de Hun'n äwer ok. De Grot or Bred Stein, dat is de Kutsch, de beeden annern, dat sünd de Pird. De Hun'n sünd nich mihr dor. De hebben sei bi den Bu von dei Zägendörper Chaussee verbrukt.”


Das ist eine versteinerte Brautkutsche. Das sind Leute aus Kiekindemark gewesen. Die sind in Slate gewesen beim Pastor. Das hat wohl etwas lange gedauert und dann war das noch an einem Freitag. Da sind sie erst nach Mitternacht durch das Holz gefahren. Sie sind vom Weg abgekommen und mit einem Mal war der Teufel da und hat sie geholt. Die Kutsche ist zu Stein geworden, die Pferde und die Hunde aber auch. Der Große oder Breite Stein, das ist die Kutsche, die beiden anderen, das sind die Pferde. Die Hunde sind nicht mehr da. Die haben sie beim Bau der Ziegendorfer Chaussee verbraucht.

Der historische Hintergrund: Der Breite Stein befindet sich im Parchimer Sonnenberg, einem südlich der Stadt gelegenen Waldmassiv. Der Sonnenberg ist wegen seiner herrlichen Wälder und seiner Sehenswürdigkeiten ein beliebtes Ausflugsziel der Parchimer. Ebenfalls sagenumwoben sind die Höhle des Räubers Vieting und die Wunderbuche. Forstleute und Naturliebhaber aus ganz Europa bewundern insbesondere die riesigen, über 100 Jahre alten Douglasien. Der Breite Stein ist ein Überrest aus der Eiszeit. Mehrere Meter lang und ca. zwei Meter hoch beschäftigte er schon immer die Phantasie der Menschen. Die vorgestellte Sage ist nicht die einzige, die sich um diesen Stein rankt, aber die bekannteste. Außerdem geben sich hier Teufel, Hexen, Prinzessinnen und Riesen ein Stelldichein und tanzen Brautschleier zu Johanni (22. Juni). Der Überlieferung nach soll der Stein mit einem Sonnenkult der slawischen Ureinwohner Parchims in Verbindung stehen und als Opferplatz gedient haben. Sogar eine Blutrinne glauben manche auf ihm erkennen. Doch von welchem großen Stein wird nicht dergleichen erzählt?